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Privater Obstanbau verboten?!

Zur Zeit beschäftigt die Onlinegemeinde kaum was anderes als ACTA. Ich persönlich musste auch erst mal nachlesen, worum es da geht. Eine kurze Zusammenfassung kann hier nachgelesen werden.

Was für mich noch viel schockierender ist, dass in Neuseelnad ein Gesetz verabschiedet wurde, das es verbietet Obst und Gemüse “wild” also ohne Genehmigung anzupflanzen. Gelesen habe ich es auf G+ und beim wilden Gartenblog. Jeder Gartenbesitzer braucht also zukünftig für seine Nahrungsmittel im Garten vorher eine Genehmigung. Das muss man sich mal echt überlegen. Der private Nutzer darf nichts mehr frei nach Schnauze anpflanzen. Und das zum Wohle der Lebensmittelsicherheit. Das ganze wird  von Lebensmittelkontrolleuren überwacht, die auch von der Lebensmittelindustrie bereitgestellt werden können. Sie sind mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet und dürfen die Gärten ohne Durchsuchungsbefehl und auch mit Waffengewalt durchsuchen und brauchen keine juristischen Konsequenzen zu fürchten.

Hier die Eckpunkte des Gesetzes (NZ Government Food Bill 160-2):

  • das natürliche Recht des eigenen Nahrungsmittelanbaus wird zum gesetzlichen Priveleg
  • der Selbstvertrieb (Hofverkauf, etc.) wird gesetzlich kontrolliert und kann somit auch verboten werden
  • der Begriff Nahrungsmittel wird auch auf die Vorprodukte (Saatgut), Getränke (auch Wasser) ausgedehnt und somit der Kontrolle unterworfen
  • die zunehmende Kontrolle des Saatgutes durch einige wenige Konzerne wird dadurch gefördert und somit auch die Abhängigkeit der Abnehmer bis hin zu den Konsumenten
  • die Pflanzendiversität ist in Gefahr, besonders für landwirtschaftliche Nutzpflanzen, weil Neuzüchtungen die alten Sorten vom Markt verdrängen
  • kleine und mittelständische Unternehmen verlieren Marktanteile und Marktzugang zugunsten großen multinationalen Konzernen

Das ist mal ein Beispiel von Profitgier und Lobbyarbeit!

Nun kann man sagen, dass Neuseeland am anderen Ende der Welt liegt und dass das bei uns in Europa nicht passieren kann. Aber so recht von der Hand zu weisen ist es nicht.

Urheber des Gesetzes scheinen mächtige Lobbygruppen u. a. die US FDA zu sein, in der auch MONSANTO Mitglied ist. MONSANTO ist ein Saatgutmulti, der 2009 auch in Deutschland versucht hat sein weltweit erfolgreichen (genveränderten) Mais auf die Felder zu bringen. Von den ursprünglich geplanten 40.000 Hektar, haben deutsch Bauern damals nur 4.000 beantragt. Und selbst diese Anträge wurden von der damaligen Landwirtschaftsministerin Aigner verboten. Hier alsol ist die gezielte Lobbyarbeit in die Hose gegangen. Nebenbei sei erwähnt, dass MONSANTO auch der Hersteller des Kampfstoffes Agent Orange war, der im Vietnamkrieg eingestzt wurde. Damit wissen wir, mit wem wir es zu tun bekommen können.

Es heißt also wachsam zu sein und auf unsere EU Politiker ein Auge zu halten, damit uns nicht das Gleiche droht, wie in Neuseeland. Mich persönlich betrifft das Thema mehr als ACTA, denn mein Sohn soll auch Obst und Gemüse im Garten wachsen und gedeihen sehen. Er soll mit der Gewissheit aufwachsen, das Nahrungsmittel nicht im Supermarkt wachsen und die Kühe nicht blau mit Aufschrift sind.

1 Kommentar

  1. MEA CULPA! Ich war zu spontan und empört – und hab einem anderen Blog zu schnell hinterher geschrieben! Seit gestern früh steht vor dem Text deshalb ein UPDATE:

    [Update 12.2.11: Liebe Leute, ganz so schlimm ist / wird es wohl nicht! Das Thema ist komplexer, als ich es beim Lesen eines Blogbeitrags und (zweier weiterer Seiten) verstanden und einigermaßen empört gleich weiter gebloggt hatte. Wer nur sein eigenes Gemüse zieht und verspeist, den soll der volle Umfang des hier verhandelten Gesetzesvorhabens wohl nicht treffen. Wohl aber kann es Samentausch-Initiativen und Direktvermarkter/Hofverkäufer illegalisieren, was ich allerdings noch genauer erforschen will. Ein nächster Artikel zum Thema wird folgen - und das hier ist eine SELBSTKRITIK wegen zu schnellen Hinterher-Bloggens! Die Welt möge mir verzeihen! :-)]

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