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Der 24-Stundenkindergarten

Ich habe letzten Sonntag den Weltspiegel auf dem Ersten gesehen. Dort ging es unter anderem auch um das Thema der 24-Stundenkindergärten. Es hat mich nicht verwundert, dass der Beitrag aus den USA kam.

In den USA gibt es viele Orte, an denen ganze Industriezweige weggebrochen sind und die Menschen nun ihren Lebensunterhalt in der Dienstleistungsbranche verdienen. Vielen reicht ein Job nicht aus, so dass teilweise 2-3 Jobs hintereinander angetreten werden müssen. Das Dienstleister ihren Service oder ihre Artikel rund um die Uhr an 7 Tagen anbieten, ist keine Seltenheit. Da stellt sich natürlich die Frage, was mit den Kindern passiert, die teilweise alleine zurückbleiben. Und genau diesem Thema widmet sich die Reportage.

Kurzum es gibt mittlerweile Kindergärten, die auch rund um die Uhr und an 7 Tagen der Woche geöffnet haben. Die Eltern können die Kinder z.B. vor der Frühschicht dort abgeben und nach der Schule wieder abholen. Die Kinder selbst können in den Einrichtungen (weiter-)schlafen oder Filme auf DVD sehen, um die Zeit bis zur Schule zu überbrücken. Die Familienverhältnisse, die in dem Beitrag gezeigt werden, sind häufig zerrüttet, so dass die Kinder nur ein Elterteil haben, das sich um sie kümmert.

Die Flexibilität, die von den Arbeitnehmern gefordert wird, ist enorm und das Familienleben kommt teilweise ganz unter die Räder. Aber das sind halt die USA, dachte ich.

Inzwischen weiß ich, dass es auch bei uns in Deutschland solche Einrichtungen gibt, die 24 Stunden geöffnet hat. Die Kita „nidulus“ in Schwerin ist so eine Einrichtung. Die Nachfrage nach flexibler Betreuung der Kinder ist immens, wohl auch aus anderen Gründen wie in den USA. In den meist in Ostdeutschland betriebenen Kitas sind es Schichtarbeiter, Bauingenieure oder Ärzte, die durch ihre flexiblen Arbeitszeiten das Angebot nutzen. So unterstützen sogar die Arbeitgeber zum Teil solche Angebote. Die Kita „nidulus“ wurde z.B. von den Schweriner Helios-Kliniken unterstützt.

Natürlich könnte man fragen, wo die eigene Familie oder Freunde sind. Aber mal ehrlich, das soziale Netz hat sich kräftig gewandelt. Ich möchte meinen 1,5 jährigen quirligen Sohn nicht meiner 70 jährigen Schwiegermutter „aufhalsen“. Meinen Sohn bei Freunden „parken“, käme auch nicht in Frage. Eltern bekommen heutzutage später Kinder und ich wäre froh über ein solches Angebot, wenn ich einer Schichtarbeit nachginge!

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