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Jens Pascal – Der Grabstein

Der Fall Jens Pascal erhitzte die Gemüter und zeigte, dass eine gute Überschrift ausreicht Menschen reflexartig aufschreien zu lassen und die Kirche, die sowieso keine besonders gute Reputation hat, als „Buhmann“ darstehen zu lassen. Aber was ist eigentlich passiert?

Jens Pascal starb am 15. Mai 2012 im Alter von nur neun Jahren an einem Gehirntumor. Er schied viel zu früh aus dem Leben. Kurz zuvor hat der BVB – sein Lieblingsverein – die deutsche Meisterschaft gewonnen. Sein letzter Wunsch war es einen Grabstein mit dem Club-Logo zu bekommen.

Jens Pascals Vater gab daher einen schwarzen Granitsockel in Auftrag, auf dessen Spitze ein schwarz-weißer Fußball mit 22 Zentimetern Durchmesser angebracht ist. Der Name, die Geburts- und Sterbedaten des Kindes, das Logo von Borussia Dortmund und der Schriftzug „Echte Liebe“ sollten im Grabstein verewigt werden. Auf dem Friedhof der katholischen Gemeinde in Dortmund-Bodelschwingh, auf dem Jens Pascal bestattet worden ist, sollte nun der Grabstein aufgestellt werden. Dies wurde vom Kirchenvorstand aufgrund der Friedhofssatzung abgelehnt. Auf dem Grabstein fehlte einfach der Bezug zum Christentum. Soweit so gut.

Nun ging ein Aufschrei durch die Internetgemeinde. Die Nachricht, dass die „grausame“ Kirche den „armen“ Eltern den letzten Wunsch des eigenen Kindes verweigert, machte schnell die Runde. Im WDR Lokal-TV gab es eine Meldung dazu und die Bild stürzte sich ebenso darauf. Auf Facebook gründete sich eine Gruppe, die die Eltern in ihrem Vorhaben unterstützt. Inzwischen zählt die Gruppe mehr als 100.000 Unterstützer. Die Kommentare reichen von

  • Ich bitte die Kirche darum, sich nicht von Vorschriften leiten zu lassen, zeigt uns euer Herz!
  • Ich finde es so unverschämt. Jeder Mensch hat einen letzten Wunsch & alle werden erfüllt. Nur der letzte Wunsch von Jens Pascal nicht.

bis hin zu Beschimpfungen und Kirchenaustritten. Einfach die Nachricht lesen, sich aufregen und auf „Gefällt mir“ klicken. Fein gemacht.

Interessiert es irgendwen, dass weder Jens Pascal noch die Eltern getauft waren oder einen Fuß in eine Kirche gesetzt haben? Interessiert es irgendjemand, dass der Friedhof einen katholischen Träger hat, der die Plätze gerne an Gemeindemitglieder vergibt? In der Stadt Dortmund gibt es einen städtischen Friedhof, warum wurde Jens Pascal nicht dort begraben? Reflexartige Empörung setzt ein und schnell wird auf den „Gefällt mir“-Button geklickt! Leider geschieht dies viel zu oft viel zu leichtfertig. Plötzlich steht der Wunsch eines Einzelnen über dem einer Glaubensgemeinde. Wenn Regeln (oder Gesetze) mir nicht passen, werde ich demnächst auch eine Facebook Gruppe gründen.

Leider haben die meisten anscheinend überlesen, dass die Kirchengemeinde in Dortmund durchaus kompromissbereit war und auch das Gespräch gesucht hat.

Aufgrund des öffentlichen Drucks hat die Geschichte nun eine positive Wende genommen. Der Kirchenvorstand einigte sich heute mit den Eltern. Auf dem Grabstein wird ein christliches Symbol angebracht und der Fußball wird neben dem Grabstein zu finden sein.

Das christliche Symbol wird eine Taube sein.

3 Kommentare

  1. Ich hatte von diesem Fall bis vorhin nichts gehört und eben gelesen, dass der Grabstein nun doch aufgestellt wird.

    Toll, dass Ihr auch mal das aufzeigt, was bei anderen nicht mal am Rande erwähnt wird.

    LG
    Daggi

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  2. Auch auf einem städtischen Friedhof gibt es bei der Grabsteingestaltung Regeln zu beachten die, zumindest teilweise, auch durchaus Sinn machen.
    Insgesamt wir auf jedem Friedhof darauf geachtet, die Würde des Ortes nicht zu beeinträchtigen und dürfte jeder dort aufstellen was er möchte, würden Friedhöfe irgendwann aussehen wie Disneyland.
    Eine Vorstellung die mir weder auf einem konfessionellen noch auf einem städtischen Friedhof gefällt.

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  3. Pingback: Coole Blogbeiträge Woche 46

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